Ein Jahr, das bis heute in Erinnerung geblieben ist

1982 - Nach einem Besuch in Oberbayern bei einem vom Bund Naturschutz organisierten Treffen auf einem Bauernhof, wo auch Bienenvölker standen, war mein Interesse geweckt. Diese kleinen, geschäftigen Wesen faszinierten mich. Ich wollte mehr wissen, über Bienen, über das Imkern und über das geheimnisvolle Zusammenspiel von Natur und Mensch.

Da ich bis dahin keinerlei Ahnung von der Materie hatte, aber als selbstständiger Lebensmittelkaufmann glaubte, dass man in Deutschland für alles eine Genehmigung braucht, tat ich, was man damals eben tat: Ich schrieb der Gemeinde und bat um Erlaubnis, ein paar Bienenvölker auf meinem Grundstück aufstellen zu dürfen. Drei Tage später lag ein Brief im Kasten. „Ihr Antrag wird abgelehnt.“ Kurz und schmerzlos.

Doch Aufgeben war nie meine Stärke. Also dachte ich mir: Wenn der Bürgermeister schon nicht weiß, was er da ablehnt, bringe ich ihm das Ganze eben näher. Ich bastelte ein kleines Magazin, baute einen Rahmen, packte etwas Honig dazu, quasi als Anschauungshilfe, und marschierte ins Rathaus. Der Bürgermeister? Keine Zeit. Natürlich. Aber ich durfte alles dort lassen, und ein Angestellter versprach, es ihm weiterzugeben.

Einige Tage später bekam ich die Mitteilung, dass ich mein Anliegen in der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung vorstellen dürfe. Nun ja, aus einer Mücke wurde ein Elefant. Also saß ich da, vor dem Rat, und sprach über die Bedeutung der Bienen, über ihre Rolle für die Natur, die Umwelt und die Bestäubung. Manche nickten interessiert, andere sahen eher gelangweilt aus, bis ein verspätetes Gemeinderatsmitglied hereinkam.

Um was geht’s hier überhaupt?“, fragte er.
„Der da“, sagte einer und zeigte auf mich, „will Bienen aufstellen.“

Kurze, trockene Antwort: „Das könnt ihr ihm ruhig genehmigen. Reich wird er damit eh nicht.“

Und siehe da, einstimmig genehmigt! Nicht etwa, weil es ökologisch sinnvoll war, sondern weil ich wohl kein Millionär werden würde. Doch das war der Anfang.

Kurz darauf besuchte ich ein Jahr lang die Imkerschule, nahm an Imkerversammlungen in mehreren Ländern teil, betreute erst 50, dann 100 Bienenvölker und hatte sogar das große Glück, Bruder Adam, den wohl berühmtesten Imker der Welt, kennenzulernen. Seitdem imkere ich nach seinen Standards.

Aus dem einst abgelehnten Antrag sind inzwischen über 40 Jahre Imkerei geworden, voller Erfahrungen, Geschichten und unzähliger Begegnungen mit Menschen, Bienen und der Natur. Heute arbeiten wir bereits in der dritten Generation, und jedes Mal, wenn ich an jene erste Sitzung im Rathaus denke, muss ich schmunzeln.

Denn manchmal beginnt eine lebenslange Leidenschaft mit einem einzigen Satz:

Reich wird er damit eh nicht.